BlackRock Inc. mit Sitz in New York ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Das Unternehmen verdient Gebühren an Indexfonds und börsengehandelten Fonds der Marke iShares, an aktiv verwalteten Mandaten und privaten Anlagen wie Unternehmenskrediten und Infrastruktur sowie an der Lizenzierung seiner Investmentplattform Aladdin.
Ende Juni verwaltete BlackRock 15,34 Billionen Dollar, mehr als jeder andere Vermögensverwalter. Im ersten Halbjahr flossen netto 321 Milliarden Dollar zu, ein Rekord und mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor; der Umsatz des zweiten Quartals stieg um 31 Prozent auf 7,08 Milliarden Dollar. Das Geschäftsmodell ist schlicht: BlackRock erhält jedes Jahr einen kleinen Anteil des verwalteten Geldes, im Durchschnitt rund 15 Basispunkte, also 0,15 Prozent. Daraus folgt eine Abhängigkeit, die in keiner Rekordmeldung steht. Von den knapp 1,45 Billionen Dollar, um die das Vermögen im zweiten Quartal wuchs, stammten gut 1,28 Billionen aus steigenden Kursen und nur 192 Milliarden aus neuem Geld. Fallen die Börsen, schrumpft die Basis, auf die alle Gebühren berechnet werden.
Wie ungleich dieses Geld verdient wird, zeigt die Aufschlüsselung im Quartalsbericht. Institutionelle Indexmandate, etwa für Pensionskassen, machen 26 Prozent des Vermögens aus, aber nur fünf Prozent der Basisgebühren; aufs Jahr gerechnet bringen sie weniger als drei Basispunkte. Die börsengehandelten Indexfonds der Marke iShares, kurz ETFs, stehen für 41 Prozent des Vermögens und 45 Prozent der Gebühren. Private Anlagen wie Kredite an nicht börsennotierte Firmen oder Infrastruktur umfassen nur zwei Prozent des Vermögens, liefern aber elf Prozent der Basisgebühren. Ein Dollar dort bringt gut 25-mal so viel wie ein Dollar im institutionellen Indexmandat. Deshalb verkraftet BlackRock, dass im ersten Halbjahr 76 Milliarden Dollar aus solchen Indexmandaten abflossen, und deshalb zielt die Strategie der vergangenen zwei Jahre auf das obere Ende dieser Rechnung.
Ein kleinerer, stetigerer Teil des Umsatzes hängt nicht am verwalteten Vermögen. Aladdin, ursprünglich BlackRocks eigenes System für Risikoanalyse und Portfolioverwaltung, wird an Versicherer, Pensionsfonds, Banken und andere Vermögensverwalter lizenziert und läuft in der Cloud von Microsoft. Franklin Templeton stellt seit seinem Geschäftsjahr 2025 schrittweise die gesamte Technik für börsennotierte Anlagen darauf um, Citi hat die Variante Aladdin Wealth für seine Privatbanker ausgewählt. Im zweiten Quartal stiegen die Erlöse aus Technologie und Abonnements um 13 Prozent auf 566 Millionen Dollar, der Jahreswert der laufenden Verträge, im Fachjargon Annual Contract Value, um 15 Prozent. Das sind acht Prozent des Konzernumsatzes. Zusammen mit dem Gebührenwachstum hob das die bereinigte operative Marge auf 45,9 Prozent, den höchsten Wert seit fast fünf Jahren.
Im größten ETF-Markt der Welt ist BlackRock nicht mehr unangefochten die Nummer eins. Mitte Juni verwalteten Vanguards amerikanische ETFs rund 4,39 Billionen Dollar, die von iShares 4,36 Billionen; BlackRock hatte diesen Platz zwei Jahrzehnte lang gehalten. Der Vanguard-Fonds auf den S&P 500 überschritt als erster ETF die Grenze von einer Billion Dollar, das iShares-Gegenstück kam auf 818 Milliarden. Vanguard gehört seinen Fonds und damit deren Anlegern, muss keine Aktionäre bedienen und gibt Kostenvorteile als niedrigere Gebühren weiter. Geführt wird es seit Juli 2024 von Salim Ramji, der bis Anfang 2024 bei BlackRock das Geschäft mit iShares und Indexfonds leitete. Weltweit liegt iShares mit 6,25 Billionen Dollar weiter vorn, getragen auch von Europa, wo die Marke 1,5 Billionen Dollar verwaltet.
Zwischen BlackRock und dem Anleger stehen Dritte, die mitverdienen. Die Indexanbieter, deren Namen die Fonds tragen, erhalten Lizenzgebühren, die vom Fondsvermögen abhängen; MSCI hat seine Verträge mit BlackRock im Januar bis 2035 verlängert und die Gebühren für einen Teil der Fonds ab 2026 und 2027 neu geordnet. Schärfer ist der Druck der Broker. Fidelity verlangt von ETF-Anbietern bis zu 15 Prozent ihrer Gebührenerlöse für einen Platz auf der eigenen Plattform, Schwab will spätestens Anfang 2027 folgen; wer nicht zahlt, dessen Fonds kosten die Kunden eine Gebühr je Kauf. Für iShares führt Fidelity keine solche Gebühr auf. Finanzchef Martin Small sagte im Juli, kein großer amerikanischer Vertriebspartner verhandle mit BlackRock über eine Abgabe auf Index-ETFs. Was BlackRock den Plattformen tatsächlich zahlt, ist nicht öffentlich.
In den privaten Märkten trifft BlackRock auf Häuser, die seit Jahrzehnten nichts anderes tun. Mit der Übernahme von HPS Investment Partners im Juli 2025 entstand eine Kreditsparte mit rund 190 Milliarden Dollar Kundengeld, die mit Apollo, Ares oder Blue Owl um Kreditnehmer und Kapital konkurriert. Seit dem Frühjahr wird dieser Markt an seiner Liquidität gemessen. Anfang März begrenzte der HPS Corporate Lending Fund, mit rund 26 Milliarden Dollar einer der größten BlackRock-Kreditfonds für vermögende Privatkunden, erstmals die Rücknahmen, nachdem Anträge über 9,3 Prozent des Fondsvermögens eingegangen waren. Die BlackRock-Aktie verlor an jenem Tag mehr als sieben Prozent, auch Apollo, Ares und Blue Owl gerieten unter Druck. Im zweiten Quartal wollten Anleger 13,3 Prozent der Anteile zurückgeben, im dritten 11,5 Prozent. Ausgezahlt werden jeweils fünf Prozent.
Drei Übernahmen geben die Richtung vor: Global Infrastructure Partners für rund 12,55 Milliarden Dollar im Oktober 2024, der Datenanbieter Preqin für etwa 3,2 Milliarden im März 2025, der Kreditspezialist HPS für rund zwölf Milliarden. HPS wurde vollständig in Aktien bezahlt. Die Zahl der verwässerten Anteile stieg binnen Jahresfrist um gut fünf Prozent, die Abschreibungen auf erworbene immaterielle Werte haben sich verdoppelt. So wuchs das bereinigte operative Ergebnis im zweiten Quartal um 39 Prozent, der bereinigte Gewinn je Aktie, zusätzlich gedrückt von geringeren Anlageerträgen, nur um 15 Prozent. Bis 2030 will BlackRock brutto 400 Milliarden Dollar für private Anlagen einsammeln; private Märkte und Technologie sollen dann mehr als 30 Prozent des Umsatzes liefern. Im Juli kaufte GIP mit Partnern den Rechenzentrumsbetreiber Aligned zu einem Unternehmenswert von rund 40 Milliarden Dollar.
Für dieses Ziel braucht BlackRock neue Wege zum Geld der Privatanleger. Der wichtigste führt über die 401(k)-Pläne, die betriebliche Altersvorsorge in den USA. Im August 2025 wies Präsident Trump per Dekret das Arbeitsministerium an, private Anlagen in diesen Plänen zu erleichtern. BlackRock verwaltet in seinen LifePath-Zieldatumsfonds, die das Risiko mit nahendem Ruhestand automatisch senken, weltweit 770 Milliarden Dollar und hatte angekündigt, dort fünf bis 20 Prozent private Anlagen beizumischen. Mitte September stellte das Unternehmen einen Baukasten für solche Fonds vor, der private und börsennotierte Anlagen kombinieren kann. Der zweite Weg ist digital: BlackRock verwaltet mit rund 60 Milliarden Dollar den Großteil der Reserven hinter Circles Stablecoin USDC und hat tokenisierte Geldmarktfonds auf der Blockchain Ethereum zur Registrierung angemeldet.
Den Umbau begleiten zwei offene Fragen jenseits der Bilanz. Die erste ist politisch. Im Januar 2025 trat BlackRock aus der Klimainitiative Net Zero Asset Managers aus und verwies dabei auf rechtliche Anfragen von Amtsträgern. Die Kartellklage von Texas und weiteren republikanisch regierten Bundesstaaten, die den drei größten Indexanbietern vorwirft, über ihre Aktienpakete die Kohleförderung gedrosselt zu haben, läuft dennoch; ein Bundesrichter ließ die meisten Vorwürfe im August 2025 zu. Vanguard verglich sich im März 2026 für 29,5 Millionen Dollar und sagte zu, Klimabündnissen fernzubleiben, BlackRock und State Street wehren sich weiter. Die zweite Frage betrifft die Führung: Larry Fink steht seit der Gründung 1988 an der Spitze und hat keinen Nachfolger benannt, seit der lange als Favorit geltende Mark Wiedman das Haus Anfang 2025 verließ.
An der Börse ist von diesem Rekordhalbjahr wenig angekommen. Am 23. September schloss die Aktie bei 1.060,89 Dollar, knapp unter dem Jahresendkurs 2025 von 1.071,46 Dollar und rund zehn Prozent unter dem Rekordschluss vom Oktober 2025. Im ersten Halbjahr wuchs das verwaltete Vermögen dagegen um 1,3 Billionen Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie um 13 Prozent. Der Markt zahlt also weniger für jeden verdienten Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der vergangenen zwölf Monate sank von knapp 30 zum Jahresende auf gut 25, gemessen an den erwarteten Gewinnen liegt es bei knapp 18. Dazu kommen eine Dividendenrendite von rund 2,2 Prozent und Aktienrückkäufe, deren Volumen für 2026 auf zwei Milliarden Dollar angehoben wurde.
Die Skepsis richtet sich weniger auf das, was BlackRock heute verdient, als auf die Herkunft des künftigen Gebührenwachstums. Das ertragsstärkste neue Geschäft ist zugleich jenes, in dem sich die Probleme häufen. Der börsennotierte Kreditfonds TCP Capital meldete im Januar einen geschätzten Rückgang seines Nettoinventarwerts um 19 Prozent; im Mai befragte die Staatsanwaltschaft in Manhattan BlackRock-Manager zu den Bewertungspraktiken, im Juli wurde der Abgang des Fondschefs bekannt. Ende 2025 war öffentlich geworden, dass HPS-Fonds mehr als 400 Millionen Dollar an Telekomfirmen verliehen hatten, deren als Sicherheit dienende Forderungen offenbar gefälscht waren. Der große Kreditfonds für Privatkunden rationiert seit drei Quartalen die Rücknahmen. Im Kerngeschäft drücken Vanguard und die Broker auf die Marge, und der Vermögenszuwachs des zweiten Quartals stammte zu fast neun Zehnteln aus steigenden Kursen.
Fink hält dagegen, die Kreditqualität der eigenen privaten Anlagen habe sich nicht verändert, und institutionelle Kunden erkundigten sich jede Woche nach Einstiegsgelegenheiten bei privaten Krediten; der HPS-Fonds weist seit Auflage eine Rendite von 9,9 Prozent pro Jahr aus. Das widerlegt die Skepsis nicht. BlackRock wandelt sich von einem Haus, das an der Masse billiger Indexprodukte verdient, zu einem, das einen wachsenden Teil seiner Gebühren aus illiquiden Anlagen zieht, teils mit eigenen Aktien erworben und zunehmend an Privatanleger vertrieben. Ob damit die Qualität der Erträge steigt oder ein Kreditzyklus in das Geschäftsmodell eines Indexanbieters eingekauft wurde, beantworten weder Rekordzuflüsse noch eine Marge von 45,9 Prozent. Das zeigt erst der nächste Abschwung am Kreditmarkt, und mit ihm die Frage, ob Sparer, die heute aus dem HPS-Fonds hinauswollen, über ihre Rentenpläne wieder hineingehen.