DER PREIS DER UNENTBEHRLICHKEIT

TSMC

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Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) mit Sitz in Hsinchu ist der größte Auftragsfertiger für Halbleiter der Welt. Sie stellt Chips nach den Entwürfen ihrer Kunden her, darunter Nvidia und Apple, und verdient an der Fertigung von Wafern sowie an der Montage mehrerer Chips zu einem Baustein, dem sogenannten Advanced Packaging.

01 Das Geschäft

Vierzig Milliarden Dollar im Quartal

TSMC stellt keine eigenen Produkte her. Das Unternehmen fertigt Chips nach Entwürfen anderer – ein Modell, das in der Branche Foundry heißt – und hat es zu einer Größe getrieben, die kein Wettbewerber erreicht. Im zweiten Quartal 2026 lag der Umsatz bei 40,2 Milliarden Dollar, gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Die Bruttomarge erreichte 67,7 Prozent, die operative Marge 60,3 Prozent; im zweiten Quartal 2025 hatten die Werte noch bei 58,6 und 49,6 Prozent gelegen. Der Nettogewinn stieg um 77 Prozent auf 706,6 Milliarden Taiwan-Dollar. Zwei Drittel des Umsatzes stammen inzwischen aus dem High-Performance Computing, also aus Prozessoren und Beschleunigern für Rechenzentren. Smartphones, lange das Kerngeschäft, kommen auf 22 Prozent. Im Jahr 2025 löste Nvidia mit 19 Prozent Umsatzanteil Apple als größten Kunden ab.

Der Takt der Fertigungsknoten

Fortschritt misst die Branche in Fertigungsknoten, Generationen immer feinerer Strukturen, deren Namen nur noch nominell auf Nanometer verweisen. 77 Prozent des Wafer-Umsatzes erzielte TSMC im zweiten Quartal mit Verfahren von sieben Nanometern und feiner; die Drei-Nanometer-Technik trug 30 Prozent bei, die Fünf-Nanometer-Familie 33 Prozent. Die nächste Generation, zwei Nanometer, stand mit drei Prozent am Anfang ihrer Rampe. Gefertigt wird sie in Werken in Hsinchu und Kaohsiung, und zunächst kostet sie Marge: Für das zweite Halbjahr rechnet das Management mit einer Verwässerung der Bruttomarge um drei bis vier Prozentpunkte, bis Ausbeute und Volumen steigen. Der Fahrplan danach ist veröffentlicht. Die A16-Technik soll 2027 in die Volumenproduktion gehen, später als ursprünglich vorgesehen, A14 folgt 2028, zwei weitere Verfahren sind für 2029 angekündigt.

Stapeln statt schrumpfen

Ein moderner KI-Beschleuniger ist kein einzelner Chip mehr, sondern ein Verbund aus Rechenchips und gestapeltem Hochleistungsspeicher, die dicht nebeneinander auf einer Zwischenschicht aus Silizium montiert werden. TSMC nennt das Verfahren CoWoS, Chip-on-Wafer-on-Substrate, und seit Beginn des KI-Booms ist es der Engpass der Branche. Im Juli sagte das Management, die Kapazität sei so knapp, dass sie das Wachstum der Kunden begrenze. Branchenberichten zufolge soll sie bis Ende 2026 auf rund 130.000 Wafer im Monat wachsen. Weil auch das nicht reicht, gibt TSMC Teile des Prozesses an die Montagespezialisten Amkor und SPIL ab. Nach einer Schätzung von Morgan Stanley sichert sich Nvidia knapp 60 Prozent der CoWoS-Kapazität des Jahres 2026; dahinter folgt Broadcom, das Spezialchips für Google und Meta liefert.

02 Der Wettbewerb

Die Rangliste der Auftragsfertiger

Nach Berechnungen des Marktforschers TrendForce entfielen im zweiten Quartal 72,5 Prozent des weltweiten Foundry-Umsatzes auf TSMC. Samsung folgte mit 5,9 Prozent, knapp vor dem chinesischen Hersteller SMIC, der seinen Umsatz binnen eines Quartals um 20 Prozent auf gut drei Milliarden Dollar steigerte und 5,4 Prozent erreichte. Samsung versucht den Anschluss über einzelne Großaufträge. Im texanischen Taylor, wo Samsung aus einem Vertrag über 16,5 Milliarden Dollar Chips für Tesla fertigen soll, laufen inzwischen Zwei-Nanometer-Wafer für Teslas KI-Chip AI5; die Ausbeute soll Berichten zufolge auf über 70 Prozent gestiegen sein. Ein Abschluss mit Qualcomm für dieselbe Technik könnte sich dagegen bis 2027 verzögern. Der Abstand zu TSMC lässt sich an einer Zahl ablesen: Samsung setzte im Quartal mit Auftragsfertigung 3,26 Milliarden Dollar um, knapp ein Zwölftel des taiwanischen Werts.

Intel und sein neuer Großaktionär

Intel ist der Wettbewerber, den sich Washington wünscht. Seit Sommer 2025 hält der amerikanische Staat rund zehn Prozent der Aktien, bezahlt mit umgewandelten Subventionen, und Nvidia beteiligte sich kurz darauf mit fünf Milliarden Dollar – ohne Fertigungsaufträge. Die Hoffnung ruht auf dem Verfahren 14A. Intel will dafür erst Kapazität bauen, wenn ein externer Kunde unterschrieben hat, und erwartete die ersten Zusagen für das zweite Halbjahr 2026. Einen großen Namen hat das Unternehmen bislang nicht genannt, obwohl laut Analysten Apple, Nvidia, AMD und andere den Prozess prüfen und der Finanzchef von schneller als geplant sinkenden Fehlerraten spricht. TSMC-Chef C. C. Wei kommentierte die Konkurrenz im Juli mit dem Satz, eine Technologie auszuwählen und hochzufahren sei nicht dasselbe, wie bei 7-Eleven Milch zu kaufen.

Zweitquellen und Preislisten

Für TSMC ist es nahezu gleichgültig, ob Rechenzentren Grafikprozessoren von Nvidia kaufen oder eigene Chips entwickeln lassen: Auch Googles KI-Prozessoren und die Spezialchips von Broadcom entstehen überwiegend bei TSMC. Die Verschiebung zu solchen Eigenentwicklungen verändert die Kundenliste, nicht den Lieferanten. Druck entsteht an anderer Stelle. Nvidia prüft Berichten zufolge, einen Teil der Ein- und Ausgabechips einer für etwa 2028 geplanten Generation bei Intel fertigen zu lassen, während der Rechenkern bei TSMC bleibt. In Japan will Rapidus mit staatlicher Förderung 2027 die Zwei-Nanometer-Fertigung aufnehmen, bislang ohne öffentlich benannten Großkunden. Solche Zweitquellen sind weniger ein technischer Angriff als ein Argument am Verhandlungstisch. TSMC antwortet mit Preisen: Taiwanische Medien berichten von Aufschlägen zwischen drei und zehn Prozent ab 2027, die das Unternehmen nicht bestätigt hat.

03 Die Strategie

265 Milliarden für Arizona

Am 16. Juli, dem Tag der Quartalszahlen, kündigte TSMC weitere 100 Milliarden Dollar für Arizona an. Die geplanten Investitionen dort summieren sich damit auf 265 Milliarden Dollar für zwölf Anlagen, darunter vier zusätzliche Fabriken für zwei Nanometer und feinere Strukturen. Das erste Werk in Phoenix fertigt im Vier-Nanometer-Verfahren, das zweite soll 2027 mit drei Nanometern beginnen. Für die Montage schloss TSMC im Juni einen Zehnjahresvertrag mit Amkor, dessen neuer Campus in Peoria ab 2028 produzieren soll. Hinter dem Tempo steht Handelspolitik. Nach dem Abkommen zwischen Washington und Taipeh vom Januar dürfen Hersteller, die in den USA bauen, während der Bauzeit das Zweieinhalbfache ihrer geplanten amerikanischen Kapazität zollfrei einführen. Anfang September kündigte Handelsminister Howard Lutnick einen neuen Zollrahmen an, der Ausnahmen an heimische Produktion knüpft.

Zwei Generationen Abstand

Die Spitze bleibt in Taiwan, und das ist nicht allein Firmenpolitik. Taipeh erlaubt im Ausland nur Fertigungstechnik, die zwei Generationen hinter der heimischen Spitze liegt; in der Branche heißt das N-2-Regel. Wie ernst die Insel ihren Vorsprung nimmt, zeigte im April ein Urteil. Ein ehemaliger TSMC-Ingenieur erhielt zehn Jahre Haft, weil er Geheimnisse der Zwei-Nanometer-Technik beschafft hatte, um dem japanischen Anlagenbauer Tokyo Electron zu Aufträgen zu verhelfen; das Unternehmen selbst wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Die übrigen Auslandswerke folgen einer anderen Logik. Im japanischen Kumamoto und in Dresden, wo TSMC mit Bosch, Infineon und NXP als Minderheitspartnern die ESMC baut, geht es um ältere Verfahren für Autoindustrie, Industrie und Bildsensoren, also um Kunden, die ihre Lieferketten nahe den eigenen Werken wissen wollen.

Kapitalplan und Lithografie

Das eigentliche Instrument der Strategie ist der Investitionsplan. Im Juli hob TSMC die Investitionen für 2026 auf 60 bis 64 Milliarden Dollar an, acht Milliarden mehr als bis dahin geplant; 70 bis 80 Prozent fließen in die modernsten Verfahren, 10 bis 20 Prozent in Packaging, Tests und Fotomasken. Aufschlussreich ist, was TSMC vorerst nicht kauft. Die neuen High-NA-Belichtungsmaschinen von ASML, die mit rund 380 Millionen Dollar etwa doppelt so viel kosten wie die bisherige EUV-Generation, will das Unternehmen erst ab 2030 in der Serienfertigung einsetzen; die Verfahren bis 2029 kommen ohne sie aus. Anfang September kündigten beide Firmen an, gemeinsam größere Fotomasken einzuführen. Zur Preissetzung sagte Wei im Juli, man verdiene seinen Wert und erhöhe Preise nicht plötzlich um ein Vielfaches, die Marge müsse aber den langfristigen Ausbau tragen.

04 Die Synthese

Am 16. Juli legte TSMC das beste Quartal seiner Geschichte vor und hob die Jahresprognose auf ein Umsatzwachstum von etwas über 40 Prozent in Dollar an. In den fünf Handelstagen um die Veröffentlichung verlor die in New York gehandelte Aktie gut acht Prozent. Seither hat sie den Verlust mehr als aufgeholt: Mit rund 450 Dollar in dieser Woche liegt sie gut 40 Prozent über dem Jahresanfang, der Börsenwert bei etwa zwei Billionen Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne bei knapp 23. Der August brachte 53 Prozent mehr Umsatz als der Vorjahresmonat, und die Prognose für das dritte Quartal von 44,6 bis 45,8 Milliarden Dollar liegt abermals über dem Rekord. Die Bewertung setzt keine Wunder voraus. Sie setzt voraus, dass das Tempo hält.

Verkauft wurde im Juli nicht das Quartal, sondern der Investitionsplan. Unter Skeptikern kursiert eine einfache Rechnung: Fiele die Bruttomarge auf 58 Prozent zurück, das Niveau des zweiten Quartals 2025, bliebe bei dieser Investitionsquote vom freien Cashflow kaum etwas übrig. Die Marge hat zudem Gegenwind, den das Management selbst beziffert – zwei bis drei, später drei bis vier Prozentpunkte durch die Auslandswerke, dazu vorübergehend drei bis vier durch die Zwei-Nanometer-Rampe. Und die Nachfrage, die das alles rechtfertigt, ruht auf wenigen Käufern, deren eigene Aktionäre ungeduldig werden. Als Alphabet im Juli seine Investitionen für 2026 auf bis zu 205 Milliarden Dollar anhob, fiel dessen Kurs. Die Frage nach der Rendite der KI-Rechenzentren wird inzwischen den Kunden der Kunden gestellt, und sie wandert die Lieferkette hinab.

Über allem liegt ein Risiko, das sich nicht in Margen ausdrücken lässt. Ende Dezember übte die chinesische Armee unter dem Namen „Justice Mission 2025“ eine Blockade der Insel, mit Schießzonen, die erstmals seit 2022 in taiwanische Hoheitsgewässer reichten. Arizona verteilt dieses Risiko, beseitigt es aber nicht, denn die jeweils modernste Technik bleibt nach dem Willen Taipehs auf der Insel. Was bleibt, ist ein Unternehmen, dessen Vorsprung vor Samsung und Intel sich derzeit eher vergrößert und dessen Kunden kaum ausweichen können, verbunden mit einem Kapitalplan, der auf eine Nachfrage in den Jahren 2028 und danach setzt. Die Fabriken, die TSMC jetzt baut, entstehen für Aufträge, die noch niemand erteilt hat. Ob die Margen dieses Sommers ein neues Niveau markieren oder den Gipfel eines Zyklus, werden erst diese Jahre zeigen.